Dungeon of the Dragon Knight Remake

Die Liebe zur Vergangenheit

HexGameStudio versetzt uns zurück in eine andere Zeit, als uns Dungeon Crawler nicht nur an die Hand genommen, sondern uns neben der Geschichte auch die Handhabung des Spiels selbst zur Erkundung überlassen haben.

Die Prämisse ist kurz erzählt: unsere Gruppe von vier Abenteurern, die aus irgendeinem Grund durch einen Wald geirrt sind, landen erschöpft in einem Haus einer Hexe. Diese verspricht uns nach dem Fund eines Artefakts die Freiheit oder als Alternative den Tod.

Schon in den ersten Minuten fühlt man sich in die gute alte Zeit von Dungeon Master zurückversetzt. Wir bewegen unsere Gruppe Schritt für Schritt durch die Gänge, untersuchen Wände, ziehen an Ketten und legen natürlich Steine auf Druckplatten, um Türen zu öffnen.

So geht es tiefer ins Dungeon mit unserer Truppe aus Fantasy-Archetypen. Schild und Schwert nach vorne, Magie in die zweite Reihe. Und man sollte sich mit den Eigenheiten der Steuerung vertraut machen, da die Kämpfe, wie auch bei Legend of Grimrock, in Echtzeit ablaufen. Es gilt rechtzeitig nach der Cooldown-Zeit die Schläge und Magie auszuführen, bevor die Gegner erneut die eigene Lebensenergie reduzieren. Man muss kein Fan des Kampfsystems sein, doch erhöht das System durchaus die (An-)Spannung beim sonst gemächlichen Erkunden der Gänge.

Das Fortschrittssystem wurde für das Remake etwas entschlackt und das vorher vorhandene Shop-System entfernt. So liegt der Fokus weder auf den Kämpfen oder der Charakterentwicklung, sondern auf dem Dungeon und deren Rätseln. Jeder neue Abschnitt kann einen Hinweis, eine Falle, ein Geheimnis oder einen Weg zu einem Ort enthalten, den ich vorher nicht erreichen konnte. Dazu mag ich den Ansatz, dass man durchaus mit Rätseln experimentiert und die Lösung nicht immer offensichtlich ist.

Und auch wenn es dankenswerterweise eine Automap gibt, so zeichnet man im Kopf seine eigene Karte und versucht die Wege miteinander zu verknüpfen. Das erfordert Geduld, da man Wege erneut abgehen und ggf. Übersehenes suchen muss. Dazu kommt das nicht perfekte Inventory-Management, das einen manches Mal suchen lässt, wer nun einen gefundenen Gegenstand aufgenommen hat und wem man schnell im Kampf noch einmal einen Heiltrank reichen muss. Klingt sperrig, spielt sich aber in jeder Hinsicht fluffiger und angenehmer als Wizardry: Proving Grounds of the Mad Overlord.

Die Umsetzung auf die Playstation vom ursprünglich 2019 erschienenen PC Spiel, kommt mit einer suboptimalen Controllersteuerung und leicht aufpolierten Optik. Man kann von dem Solo-Projekt technisch keine Wunder erwarten, was aber nicht unbedingt etwas den Spielspaß bricht, aber fast zur Nostalgie beiträgt. Dazu ist das Sounddesign durchaus stimmig und trägt auch durch seine Reduziertheit zur Atmosphäre bei.

Nimmt man die erwähnten Einschränkungen in Kauf und bringt die nötige Geduld und den Hang zur Nostalgie mit, bekommt man Dungeon of the Dragon Knight einen fesselnden Ausflug in die Vergangenheit.

Stubenscore: 8 / 10

Falltüren und Druckplatten bestimmen unser Sein.
Ausweichen und den Cooldown abwarten. Die Kämpfe fordern weniger als die Rätsel.
Dank Automap hat man das Backtracking im Griff. Leider gibt es Notizen-technisch weniger Komfort als in der PC Version.
Das Aufleveln und der Loot sind weniger entscheidend.
Denn der Star ist das Dungeon mit seinen Rätseln an sich.

DUNGEON OF THE DRAGON KNIGHT
METACRITIC

PC | PS5 (getestet)

4 Gedanken zu „Dungeon of the Dragon Knight Remake

  1. Mit Pen & Paper wie Dungeons & Dragons bin ich aufgewachsen. Später führte ich auf diversen Computersystemen Abenteuergruppen durch Dungeons und löste Rätsel. So war der Start mit Ultima I auf dem Apple IIe noch grafisch übersichtlich, aber Ultima IV war schon ein Erlebnis. Irgendwann wurden die Spiele immer größer und auch unübersichtlicher, da man nicht mehr 24/7 Zeit hat. Und so werde ich Baldurs Gate nicht weiterspielen.

    Auch wenn grafisch nicht ideal und sehr retro, haben mir Crypt of the Serpent King und Magic Cauldron: Dungeons viel Spaß bereitet. Nächsten Monat startet die Kickstarter-Kampagne zu Magic Cauldron: Forgotten Island und ich freue mich schon.

    Somit spricht mich Dungeons of the Dragon Knight auch direkt an. Auch die Spieldauer von ca. 11 Stunden kann ich unterbringen. Ich glaube von HexGameStudio können wir noch einiges erwarten.

  2. Schön, das „nicht Remake“ kommt direkt auf die Steam-Wishlist (oder kommt das Remake auch demnächst auf Steam?)! Seit Legend of Grimrock wurde meine alte Liebe zu den klassischen, rechtwinkeligen Dungeon Crawls wieder entfacht. Das Konzept „4 gehen in den Dungeon und kloppen und rätseln schrittweise alles weg“ ist und bleibt unverwüstlich. Sehr dankbar bin ich dabei für jedweden modernen Komfort … vorne weg die Automap. Mit 11 Stunden Spielzeit kann man das auch locker wegsnacken zwischen so zwei Baldurs Gates (Zwinker Smiley Richtung Kollege ferengi)

  3. Damals haben wir eine Box mit kopierten Floppy Disks von meinem Cousin für den 386er / 486er bekommen. Ich kann mich nicht mehr an alle Spiele erinnern aber mit Eye of the Beholder habe ich sehr viel Zeit verbracht. Beim anschauen der Bilder Deines Berichts kamen die Erinnerungen daran sehr lebhaft zurück in mein Gedächtnis. Auf dem NES hatte ich noch Swords and Serpents gesuchtet, kommt mit der Grafik bei weitem nicht daran, hatte aber auch eine schöne Spiel-Dynamik. Jetzt auf der PS5 nochmal diese alten Gefühle aufleben zu lassen klingt nach einem sehr guten Plan und ich werde sicher einen Versuch wagen auch in diese Welt einzutauchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Ähnliche Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben