Kolumne: #ssGa

– TableTossing –
die RAGE-Kolumne

Thema heute:
#so sehen Gamer aus
 
 
 


 

Die Mediendozentin Prof. Dr. Linda Breitlauch twitterte zuerst am 23.Januar ein Businessfoto mit dem Zusatz „so sehen Gamer aus“  und legte kurz darauf nach, als sie mit einem Hashtag aufforderte, damit viral zu gehen, was von den Selfie-Jüngern unter ihren Followern auch gleich willig aufgegriffen wurde, um selbst mal die gestylte Marmel in den Autofokus zu recken.

Frau Dr. Breitlauchs Ansinnen in Ehren, mit dem Vorurteil aufzuräumen, welches den gemeinen Videospieler zur adipösen, aknegespickten Chimäre stilisierte, ist dieses Bild doch mittlerweile so überstrapaziert, dass er auch innerhalb der Branche als Witzfigur dient.
Abgesehen davon, dass diese Schlacht also bereits geschlagen ist, verfehlt die Kampagne den Kern des eigentlichen Problems.

Eines vorweg:
Mir ist doch scheißegal wie ihr Gamer ausseht. Ich bin keiner von Euch.

  • Ich habe mich nach Feierabend doch nicht in eine virtuelle Traumwelt geflüchtet, nur um mich auch dort wieder mit Menschen auseinandersetzen zu müssen.
    Ich scheiße auf Euch und Eure Multiplayer-Funktionen als kollektives Erlebnis.
  • alleine schon „Gamer“ – als wenn es eine homogene Community gäbe, derer man sich zugehörig fühlen könnte.
    Ich spiele am Computer, während andere auf der Welt das offensichtlich auch tun.
    Meinen Pimmel trage ich meistens links, was andere auch tun. Auch dort habe ich kein Interesse an einer Linksträger-Awareness. Und einer möglichen Nasepopeln-Szene fühle ich mich trotz meiner Leidenschaft nicht zugewandt.
  •  Videospieler, die sich als Kollektiv begreifen sind ohnehin ein selten dämlicher Haufen.
    Ständig fühlen sie sich von der Zensur und Altersfreigabe bevormundet, von der Gesellschaft verachtet oder belächelt und ringen daher einerseits um Anerkennung ihres Daddelns als seriöse Beschäftigung, lassen gleichzeitig aber keinerlei Kritik an ihrem Medium zu und winden sich auch bei höchst zweifelhaften Spielinhalten mit dem Totschlag-Mantra heraus, „die ganze Aufregung nicht zu verstehen“, da ja alles „doch bloß ein Spiel sei“.
    Offenbar gibt es ausnahmslos charakterstarke, selbstreflektierte Spieler, mit dem nötigen Augenmaß und Abstand. So wie ja auch immer gerade kein bekennender Hassprediger zur Hand ist, wenn man sich mal mit Salafismus auseinanderzusetzen versucht.
  • Das Thema der Kampagne ist insofern verfehlt, dass nicht das Erscheinungsbild des Gamers Anlass zur Kritik bietet, sondern dessen (a)soziales Gebaren.Aus der Anonymität heraus wird alles niedergeschrien, Einzelne aufs Übelste beschimpft oder sogar bedroht. Wo jede andere Kultur dieses Verhalten als absolut inakzeptabel ächten würde, verweist die Gamesbranche schulterzuckend auf einige Wenige, die sich da wohl im Ton vergriffen haben und macht sich durch ihre Gleichgültigkeit mitschuldig.
    #gamergate offenbarte jüngst, wie ekelhaft die Netzkultur als Steigbügelhalter den angry white malez immer noch ein rassistisches, sexistisches und höchts repressives Forum bietet.

 

Erwähnte ich, wie egal mir ist, wie Du aussiehst?
Wie egal mit Deine Skillz und Deine virtuellen Achievements sind? Wie mich Deine Kritikunfähigkeit und fehlende Selbstreflexion in jedem Interview und Forenbeitrag aufs Neue fassungslos zurücklässt?
Gamer, mit Dir möchte ich einfach nichts gemein haben.

 


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