Stardew Valley

Unser Gastautor dajanto
hat bei Stardew Valley zugegriffen.

Für wen sich ebenfalls lohnt,
erfahrt ihr in seinem Bericht.

 


 

Bekenntnisse eines Teilzeithippies

 

Intro

Ein alter bärtiger Mann liegt flach und drückt einem jungen Burschen einen versiegelten Brief in die Hand. Schnelldenkenden Geistern schießt unverzüglich die Szene aus “Herr der Ringe – Die Gefährten” in den Kopf. Alle andern haben in “Stardew Valley” allerdings noch genug Gelegenheiten, um Meilensteine der Film- bzw. Spieleindustrie aus ihren Gehirnlappen hervorzurufen.
Der also bärtige, bettlägerige Mann, der der Großvater des Protagonisten sowie nicht besonders krank zu sein scheint, plaudert munter aber bedacht los: “Öffne den Brief nur dann, wenn dir das moderne Leben über den Kopf steigt und du bereit bist dich einer tendenziell anspruchsvollen Aufgabe zu stellen“. “Alles klar, Digger”, denkt sich wohl der Enkel und grabscht sich den Brief.
Es kommt wie es kommen muss. Der Protagonist und Enkel sitzt in einem optisch sterilen, nicht anmutenden Bürokomplex und kriegt die Krise, was man an den Symbolen über dem Kopf der Spielfigur entnehmen kann. Er schaut in die rechte obere Schublade seines Schreibtisches, holt den Brief heraus, den er ganz brav und folgerichtig dort deponiert hat, öffnet ihn und fährt einen Tag später zu der Farm, von der im Brief die Rede ist.
Der Weg nach Stardew Valley ist vor allem hügelig. Der Bus fährt über Serpentinen majestätischer Berge Richtung Ziel. Präsentiert wird dem Spieler das Intro-Spektakel in einer gemütlichen Cutscene, die sich stilistisch nicht vom allgemeinen optischen Spielstil unterscheidet, jedoch eine andere Perspektive aufweist.

 

Eindrücke und Spielmechanik
We are farmers, bambababababam.

Kaum ist man bei dem verwucherten Bauernhof angekommen, bestätigt sich sofort die Annahme, dass sich das Spiel vieler Designelemente bedient hat. Schon direkt nach dem Spawnen wandern die Blicke neugierig über den Bildschirm und entdecken beim Anblick der Erde, der Vegetation sowie des Farmhauses optische Zeldaparallelen.

zelda

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Als nächstes sticht die Werkzeugleiste ins Auge, die sich mit ihren 12 Slots durchaus zur Minecraft-Werkzeugleiste unterscheidet. Terminologisch sind wir ja nun am richtigen Fleck, deswegen erwähne ich nun auch die “Pickaxe” sowie die “Axe”, die sich wohlplatziert per default in der Werkzeugleiste befinden. Eine “Shovel” sucht man zwar vergebens, jedoch bekommt man einen Hammer und eine Sense stattdessen.

Intuitiv weiß man auch sofort, wie die Werkzeuge nützlich werden können. Die Axt eignet sich zum Holzhacken, die Spitzhacke zum Steine zertrümmern. Die Sense schneidet sich durch Gras und der Hammer dient als Bepflügungswerkzeug. Die Swing-Animation der Sense erinnert sehr an einen Link-Schwerthieb, was sich durchaus sehr komisch anfühlt. Das grobe Gefühl verabschiedet sich jedoch nach einigen dutzend Schlägen in die ewigen Jagdgründe, ein Teil bleibt.

Nachdem man gierig aufgrund des herrlichen audiovisuellen Feedbacks der Werkzeughiebe ein paar Bäume, Steine und Gräser dem Erdboden gleich gemacht hat, stellt man fest, dass bereits Saatgut gelootet wurde und einer sofortigen Verwendung nichts mehr im Wege steht. Wie bei Minecraft lässt sich Saatgut aus Gräsern extrahieren und säen. Mithilfe des Hammers lässt sich rasch ein kleines Feld anlegen, in dessen Fugen die Samen passen. Schnell noch die Samen mit der Gießkanne bewässert und schon kann man seinen ersten landwirtschaftlichen Erfolg verbuchen.

stardew

Nach einem anstrengenden Tag entwickelt die Spielfigur überraschend ein bizarres Eigenleben und macht deutlich, dass sie tatsächlich einen anstrengenden Tag hatte und man sich ausruhen solle. Es heißt also: Ab ins Bett! Die erste Nacht im neuen Bett fühlt sich wie Urlaub an. Das unaufhörliche Prasseln des Regens auf das Dach des Farmhauses erhellt die Stimmung. Der Gedanke, dass man wegen des jetzigen Regens am Vortag mehr oder weniger Zeit durch das Pflanzen bewässern verschwendet hat verfliegt schnell wieder als man bemerkt, dass sich die Dekoration des Hauses nach belieben verändern lässt. Items können aufgenommen, abgelegt, exakt platziert oder konsumiert werden.

In der naheliegenden Stadt “Pelican Town” gibt es viele Geschäfte, in denen Dorfbewohner zu Quests oder Handel einladen. Passend dazu existiert ein Questlog-Journal, was einen sanft auf etwaige Challenges animiert.

Verglichen mit dem Minecraft-Inventar gestaltet sich das Stardew-Valley-Inventar als deutlich umfangreicher. Es bietet nicht nur ordentlich Platz für Items, sondern informiert auch in Tabansicht, welche Items bisher bekannt sind und welche bisher noch unentdeckt blieben. Allerdings lässt bei den meisten Items bereits die Silhouette Schlüsse auf das Item ziehen.

Es ist durchaus auch möglich bzw. ratsam Kapital aus seinen landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu schlagen. Dazu platziert man beispielsweise das geerntete oder sonstige Gut in einer Kiste am Eingang der Farm, welche ein Händler täglich leert und in diesem Zuge den Krempel abkauft. Mit den Erlösen kann man sich erwerbbare konsumierbare Objekte und andere kostenaufwendige Sachen finanzieren, die den allgemeinen Spielfortschritt vorantreiben oder verbessern. Das Spiel besitzt somit einerseits Open-World-, aber auch lineare Spielelemente, wenn auch gefühlt der Open-World-Aspekt überwiegt.

 

Ebenso lässt sich eine Karte öffnen, die übersichtlich aufzeigt, welche Orte es noch zu erkunden gilt.

Ob die Karte expandierbar ist, müsst ihr selbst herausfinden.

Ob die Karte expandierbar ist, müsst ihr selbst herausfinden.

 

 

Audio

Die Musik lässt sich als entspannt-fröhlich-frei recht gut beschreiben. Von der Erwartungshaltung her hätte man sicherlich ähnliches vermutet. Der “fröhliche” Musikaspekt ist sicherlich insofern zu rechtfertigen, als dass man hauptberuflich Farmer ist und weniger ein Entdecker. Bei Minecraft hingegen ist es andersherum, ebenso audiovisuell. Der Minecraft-Soundtrack ist geprägt von nachdenklich-geheimnisvoll-atmosphärischen Tönen und nahezu keinen fröhlichen Elementen. Bei Stardew Valley fühlt man atomsphärisch sich eher “frei” und “farmerfröhlich”, was durchaus nichts schlechtes ist. Im Gegenteil.

 

Conclusio

Zweifellos sind wir in einer Zeit, wo ganz bestimmte kommerziell erfolgreiche Spielelemente häufiger und genreübergreifend anzutreffen sind. Insofern kann ich sagen, dass ich wahrscheinlich “Stardew Valley” 2009 mehr genossen hätte als 2016. Es ist schon ein wenig schade, dass man ein Spiel startet und einem sofort die vier Games in den Kopf gerufen werden, aus denen das jetzige Spiel fusioniert worden zu sein scheint. “Stardew Valley” spielt sich wie ein neues Indie-Harvest-Moon in Zeldaoptik.
Diese herben Fakten schmälern allerdings keineswegs die Qualität des reviewten Spiels. Die Spielmechanik ist crisp, die Optik ist berauschend. Die Möglichkeiten sind nur schwer überblickbar und der Preis ist fair. Das Spielmenü bzw. die Benutzeroberfläche anwortet stets prompt und schick, ohne überflüssige Animationen. Die Entwickler haben darüber hinaus sichtlich Liebe in das Spiel gesteckt, was besonders zu Beginn des Spiels heraussticht, wenn man noch nicht im Farmingfieber ist. Die Dialoge mit den NPCs sind sehr schön animiert und passen zur Nicht-Hektik von Stardew Valley.

 

Fazit:
Insgesamt ist es also ein Rundum-Sorglos-Paket, was jedem Spaß machen sollte der Open-World- und/oder “Jäger & Sammler”-Spielelemente mag. Man kann negative Kritik üben, man kann es aber auch lassen ohne schlechtes Gewissen, dass man sie nicht geäußert hätte.

 


Stardew Valley
http://stardewvalley.net/
PC | Steam | GoG


 

 

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3 Gedanken zu “Stardew Valley

  1. Ich habe wirklich viele Spiele (an)gespielt und fast jedes Genre versucht, aber an Harvest Moon, Farmville oder Animal Crossing habe ich mich nie ran gewagt.
    „Rundum-Sorglos-Paket“ klingt aber auch nach: Du hast jede Menge Zeit und Stardew Valley frisst sie gern, gibt Dir ein gutes Gefühl und lässt Dich den stressigen Starcraft-Alltag vergessen, richtig? 🙂

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    • Wenn man so will, ist es ein Zeitfresser, ja. Aber im Grunde genommen ist jedes Spiel ein Zeitfresser, wenn man den Anspruch hat, in dem Spiel auch einigermaßen „gut“ zu sein bzw. weit zu kommen. Das Schöne an Stardew Valley ist z.B. auch, dass man einfach seinen (XBOX-)Controller benutzen (Steam unterstützt den ja bei fast allen Spielen) und zocken kann, wenn man sich ein wenig von schnellen, stressigen Maus- und Tastatur-Eingaben erholen möchte. Man kann sich zurücklehnen und eine andere Sitz- und Armposition einnehmen. Sehr zu empfehlen. Der Begriff „Rundum-Sorglos-Paket“ galt tendenziell den Leuten, die schon andere Vertreter des Spielgenres bzw. Spielprinzip kennen und lieben gelernt haben.

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      • Zeitfresser (vgl. „time sink“) beschreibt üblicherweise nicht die absolute Spieldauer, sondern das Missverhältnis vom Erlebbaren zur investierten Zeit.
        Dem Spielen nicht bloß als Zeitvertreib gilt, weil er mit seiner Zeit nichts anzufangen weiss, sondern der etwas aus dem Spiel für sich herausziehen möchte, sei es Immersion oder Reflexion oder auch nur stures Reflextraining, wird Zeitfresser strikt ablehnen.

        Was genau verleiht Stardew Valley seine Stärke?
        Oder ist es nur das Opium einer Generation, die kein defrag.exe mehr hat?

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