The Banner Saga

Ich gebe es zu: Ich habe The Banner Saga allein wegen der pittoresken Grafik gekauft.
Von einem „rundenbasierten RPG“ war zudem noch zu lesen.
Puh, klingt furztrocken, aber ich werde mich tapfer hindurchgrinden, denn dieser Zeichenstil, omfg! der entschädigt doch sicherlich für alles.

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Neben der entzückenden Grafik entwickelt sich auch ein Plot, der mit einer Wikinger-Erzählung aus dem schneebedeckten Norden daherkommt. Von Menschen und Riesen handelt sie und der ungewissen Bedrohung einer streitsüchtigen Rasse, die über die Länder der Menschen hereinbricht und damit den Exodus unter dem titelgebenden Banner einläutet.

Flüchtlingstrecks, deren Überleben durch Geschick und oftmals unpopuläre Entscheidungen gesichert wird, sind uns bereits durch Oregon Trail, FTL und The Walking Dead vertraut.

Und auch in der Banner Saga sind während der Reiseetappen folgenreiche Entscheidungen zu treffen, die uns schlimmstenfalls hunderte Krieger oder auch einen Helden kosten können.
Entsprechend geschwächt tritt man dann in den nächsten Kampf, der rundenbasiert auf einem isometrischen Gefechtsfeld ausgetragen wird. Mir gänzlich neu ist hier die taktische Komponente, da man den Gegner entweder mit einem Direktangriff attackieren kann oder man erst seine Rüstung zerstört, so dass nachfolgende Treffer weit mehr Schaden anrichten.

Erwähnte ich schon die Grafik?
Bereits beim ersten Anblick erscheint sie vielen vertraut, juhu, wie damals aus diesem Film hier..dings..na..ja nun woher eigentlich?
Mich erinnert es an die alten Disney-Filme, bevor Airbrush und CGI erfunden wurde. Als die Erzschurken noch wirklich übel waren. „Sleeping Beauty (1953)“, „The Black Cauldron (1985)“ oder Erwachsenene-Trickfilme wie „Lord of the Rings (1978)“ und einige Filme der Schwermetall-Reihe.bannersaga_trek

Außerhalb der Kampfanimationen werden die Charaktere jedoch überwiegend als Portrait mit nur minimalen Regungen dargestellt, was der Atmosphäre aber keinen Abbruch tut.
Sonderbar hingegen sind die wenig durchschaubaren Helden und der raubeinige nordische Flair. Dazu kaum Sprachausgabe und einem Erzähler mit isländischen Akzent. Die Geschichte entwickelt sich schleppend und spröde und in Anbetracht, dass ich gleich wieder fatale Entscheidungen zu fällen, fühle ich mich allzu oft allein gelassen.
Die Auswahlmöglichkeiten selbst lassen nämlich selten darauf schliessen, auf was ich mich gleich einlassen werde und vergeben damit eine wichtige Chance, weiter Spannung aufzubauen.

Das setzt sich auch im Charakterbildschirm fort, in dem mir kaum erklärt wird, worauf ich bei der Aufrüstung zu achten habe. Und der Kampf gestaltet sich oft sehr verlustreich, weil die Steuerung unerbittlich ist und ich daher häufig die Figur nicht genug Schritte ziehen liess und danach nichts mehr ändern kann. Figuren und Interface überlagern sich im Gemenge und auch hier drücke ich hin und wieder die falsche Aktion. Ja, mein Fehler, dennoch frustrierend, weil ich schon einen langen Weg hinter mir habe.

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Sterben können die Helden im Kampf allerdings nicht. Eine Niederlage hat jedoch Auswirkungen auf die Moral und die nachfolgenden Kämpfe. Anders so bei meinen Entscheidungen auf der Reise, die mich einen Helden ins Verderben stürzen lassen oder er wütend die Gruppe verlässt. Was besonders schmerzhaft ist, da ich jeden Helden über eine lange Zeit aufgebaut habe.

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Das Gameplay gestaltet sich dadurch unglaublich sperrig und erreicht damit nur eine sehr kleine Zielgruppe. Passagen erneut zu spielen, um alternative Entscheidungen zu treffen, ist ungeheuer müßig, da das Spiel nur sehr langsam voranschreitet und man viele Kämpfe erneut bestreiten müsste. Das ist eigentlich sehr schade, denn hier handelt es sich, anders als bei The Walking Dead, tatsächlich einmal um echte Entscheidungsmöglichkeiten, die ganz bedeutsame Änderungen am Spielverlauf vornehmen.

Fazit:
Die handgezeichnete Aufmachung ist grandios, die Kämpfe haben taktische Tiefe und die Entscheidungen sind eigentlich nur nägelkauend zu ertragen. Technisch ist wenig an The Banner Saga auszusetzen.
Und doch wird der Funke nicht so recht bei jedem überspringen, weil es an erzählerischer Leichtigkeit fehlt, weil das Gameplay ein ziemlicher Brocken ist und man einfach zu keiner Zeit an die Hand genommen wird.

Stubenscore:  7 / 10

 


The Banner Saga
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