Shower with your Dad

„Herman, wir geh’n ins Badehaus.“

Ich blickte zu meiner Mutter.
Sie saß da und schaute mit hochgezogenen
Augenbrauen auf meinen Vater.
Meine Schwestern hatten aufgehört zu essen.
Etwas Bedeutendes lag in der Luft.


 

Ich saß auf einmal kerzengerade da.
Stell dir vor, ins Wannenbad mit dem Vater. Wo all die großen Männer hingingen.
Hieß das, daß ich jetzt groß war?
Nächste Woche würde ich acht werden.
„Ja Mama“, hörte ich mich sagen, „ich geh mit ins Badehaus. Darf ich ein Handtuch holen,Mama?“
Sie nickte.
„Kommst du?“ Mein Vater stand auf, gab meiner Mutter einen Kuß.

Heute Abend würde ich nicht von meiner Mutter gewaschen werden,
nicht auf dem Abwaschtisch eingeseift und in der kleinen Blechwanne abgespült werden,
nicht trockengerubbelt und auf den Boden gehoben werden. Heute Abend wurde ich groß.
Heute Abend ging ich mit meinem Vater ins Badehaus.

Mein Vater kaufte für einen Viertelgulden eine Karte für eine Viertelstunde duschen. „Darf mein Sohn mit auf meine Karte rein?“
Sie nickte und schob ein Stückchen Seife mit einer Karte über den Schalter.
Wir setzten uns auf eine Bank wie beim Zahnarzt. Da saßen schon Dutzende von Männern, ich war der einzige kleine Junge.

Ein Summer ertönte. Eine Tür knallte auf.
Ich blickte nun in einen langen Gang mit Dutzenden von Türen auf beiden Seiten.
Männer in weißen Kitteln gingen auf Badelatschen durch den Gang und donnerten an die Türen. „Abtrocknen, anziehn, abhaun.“
Die ersten gewaschenen Männer kamen nach draußen.
Die weißen Männer machten die Duschkabinen sauber.
„Ein Viertelstündchen, nicht länger“, sagte der älteste mit einem erhobenen, blau durchweichten Finger zu mir. „Nach fünf Minuten gehen die Hähne an.“

Mein Vater stand auf.
Wir gingen durch den Gang und betraten eine Duschzelle, die nicht viel grösser war als unser Klo.
An der Innenseite der Tür hingen ausgebleichte Holzhaken.
Papa fing an, sich auszuziehen. Ich fand das sehr spannend. Ich hatte ihn natürlich schon fast nackt gesehen – im Bett, weil er immer eine schlabbrige, durchwachsene Unterhose anbehielt.
Aber ich hatte nie gesehen, wie er sich ganz auszog. Erst Unterhemd, dann Schuhe und Socken, dann Hose und Unterhose.
Für den Bruchteil einer Sekunde sah ich seinen Pimmel.
Er war wie meiner, nur etwas größer und schrumpeliger, und seiner kam aus einem Bart. Ich drehte mich verlegen um und hatte mich im Nu ausgezogen.
Ich hängte meine Unterhose neben seine und sah zu meiner Zufriedenheit, daß auch er eine Bremsspur in seiner Hose hatte.

Rücken an Rücken standen wir unter der Dusche und warteten auf das Wasser.
Das kam in einem prasselnden Strahl, als ob der Himmel aufbrach.
Warmer Regen.
Papa begann, sich einzuseifen. Ich stand atemlos da, wie an den Duschkasten genagelt.
Ich wusch seinen Rücken, und er meinen. Und die Männer sangen:

All the chapel bells are ringing in the little
valley town. La la la la la la la la

Ich sang ihre Melodie in meinem eigenen Englisch über alle Männerstimmen hinweg zu Ende.
Im Badehaus klang’s wie in einer Kirche.
Zwanzig Männer und ein achtjähriges Würstchen mit Gänsehaut sangen aus voller nackter Brust,
begleitet vom warm strömenden Utrechter Leitungswasser.

Selig.
Im Badehaus mit meinem Vater.steamy_01

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