Spiel des Jahres 1989
Rudi Hoffmann (1924-2008) hat in seiner aktiven Phase zwischen 1964 und 2007 um die 50 Spiele designt und beim durchblicken seiner Ludographie muss ich feststellen, dass ich davon eine ganze Reihe in meiner Sammlung habe. Größtenteils ungespielt (oder zumindest habe ich es vergessen) in Schatzkartons auf dem Boden.
Zu seinem bekanntesten Werk zählt das 1989 mit dem Spiel des Jahres-Preis ausgezeichnete Café International. Beim Blick auf die Nominierungsliste von 1989 sehe ich weitere Schätze, die in Kartons warten, wiederentdeckt zu werden.
Die Komplexität des Legespiels ist niedrig, die Spieldauer unter einer Stunde. Die Spieler haben 5 Gäste. Reihum müssen wir eine dieser drei Aktionen durchführen
- ein bis zwei den Legeregeln entsprechende Gäste zur passenden Nation des Tisches anlegen. Hierbei müssen sich Pärchen ergeben, die dann Punkte bringen. Mehr Punkte gibt es mit einem dritten Gast am Tisch oder wenn alle 4 Plätze besetzt werden. Verboten ist es, wenn durch das Legen z.B. zwei Frauen an einem der Tische liegen würden.
- ein Plättchen im Mittelteil des Spielfelds ablegen. Dafür gibt es zu Beginn des Spiels sogar Pluspunkte. Später muss man dies machen, wenn man keinen freien Tisch für seine Gäste findet.
- eine ausliegenden Joker gegen eine Handkarte tauschen
Der Kniff liegt nun darin, dass man beim geschickten Anlegen eines Gastes auch für zwei Tische Punkte bekommen kann. Denn die Verbindungsstühle zwischen zwei Tischen können optional von zwei Nationen belegt werden. Auch gibt es die doppelte Punktzahl, wenn man zwei Pärchen einer Nation um einen Tisch platziert.



Fazit:
Einfache Regeln, geringe Komplexität, kurze Spieldauer und eine Menge Spaß und Ärgermöglichkeiten wecken Erinnerungen, dass wir es damals oft gespielt haben. Sicher ist Optik und Spielmaterial etwas in die Jahre gekommen, aber damals war die Comicgrafik erfrischend und modern. Kann man spielen.
Stubenscore: 7,3 / 10
Brettspiel (getestet)


Ach, die 80er. Heute hätten es diese nationalen Stereotypen und das rein heteronormative Gesellschaftsbild wohl schwer verlegt zu werden. Davon ab tut sicher nicht weh, aber ich lese im Test zu viel von irgendwelchen Schätzen?
Da war der Rudi uns doch allen voraus und hart mit den Jokernationalitäten fast alles vorhergesehen. Einen diversen Joker gibt es vielleicht in der Erweiterung. Werde ich mal auf dem Flohmarkt suchen …
Da kriege ich auch direkt Flashbacks an die „Spieleausleihe“ in meiner Ganztagesschule (wir Stöpsel hatten deshalb viel Zeit für Brettspiele). Die Spiele des Jahres inklusive Café International waren da definitiv auch mit von der Partie. Ich hab’s mit 12 nicht gemocht. In gleichen Teilen Spannung und Angst erwarte ich weitere Funde aus der „Schatzkiste“ der untoten Spiele des Jahres.